Meinung

AfD-Parteitag: Meuthen stellt die Machtfrage

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  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
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In Deutschland grassiert das Corona-Virus. Und auf der Intensivstation liegt mit der AfD ausgerechnet die Partei, die nicht müde wird, seine Gefährlichkeit zu bestreiten.

Alexander Gauland im Rettungswagen – wie ein düsteres Sinnbild steht der abrupte Abschied des Fraktionsvorsitzenden vom AfD-Parteitag für die desolate Lage der Partei: Da ist die offene Schlacht zwischen Bürgerlichen und Rechtsextremen, der Absturz in den Umfragen, der beispiellose, an Weimar erinnernde Tabubruch durch rechte Pöbler, die von AfD-Abgeordneten in den Bundestag eingeschleust wurden, um dort gegen die angebliche „Corona-Diktatur“ (O-Ton Gauland) zu kämpfen.

Völkisch und in Teilen rechtsextrem

Erkennbar gescheitert ist die Strategie, die AfD als politischen Arm der „Querdenker“-Proteste in Stil und Inhalt zu radikalisieren und so zu neuer Stärke zu führen. Immer weiter schreiten Sektierertum und Marginalisierung der Partei voran.

All das hat Gauland nicht allein zu verantworten. Aber er lieh den Radikalen das bürgerliche Gesicht, die Maske, hinter der sich seit Jahren die Wandlung der AfD von einer konservativen Protestpartei in eine völkische, in Teilen rechtsextreme Bewegung vollzog. Höckes (vorgeblich aufgelöster) „Flügel“ ist heute der AfD-Nazi-Flügel. Mit der Bedrohung gewählter Volksvertreter im Bundestag hat die AfD ihren Kritikern einen Gefallen getan, von dem diese kaum zu träumen wagten.

Meuthen erkennt die Gefahr für die AfD

Parteichef Jörg Meuthen hat die Todesgefahr erkannt, in der die AfD seit der Beobachtung durch den Verfassungsschutz schwebt, und auf dem Parteitag in Kalkar die Machtfrage gestellt. Eine knappe, aber gut organisierte Mehrheit aus den alten Bundesländern folgte ihm. Und wieder wird in der AfD „Spaltung“ und „Verrat“ geschrien.

Das freilich ist in der „Alternative“ so uralt, dass es selbst die viel geschmähten „Altparteien“ langweilt. Neu allerdings wäre es, wenn sich im dritten großen Machtkampf der AfD-Geschichte erstmals die Gemäßigten durchsetzen würden.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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