Merz-Rede im Tegernseer Tal Merkels Quälgeist GEORG ANASTASIADIS

Merz-Rede im Tegernseer Tal. Merkels Quälgeist .

GEORG ANASTASIADIS

Quälgeister haben die unangenehme Eigenschaft, dass man sie nur schwer loswird. Friedrich Merz ist Merkels Quälgeist, und sollte die Kanzlerin geglaubt haben, ihn nach dem Parteitag für immer in der CDU-Mottenkiste verräumt zu haben, so hat sie sich getäuscht. Eine einzige Rede im abgelegenen Tegernseer Tal genügte dem Mann, der partout nicht Wirtschaftsminister werden soll, um das ganze Elend der Merkel’schen Wirtschaftspolitik auszubreiten: keine Strategie gegen China, keine Vision für Deutschlands Rang in der digitalen Welt, keine Idee zur Senkung der Abgabenlast für Bürger und Betriebe, kein nichts. Nur  Alleingänge, so weit das Auge reicht, vom Atomausstieg bis zur Europa spaltenden Asylpolitik. Und ein billiger Euro, der die Strukturprobleme kaschieren hilft, weil er einen künstlichen Exportboom erzeugt.

Seine Chancen aufs Wirtschaftsministerium hat Merz mit dieser Bewerbungsrede nicht wirklich gesteigert. Aber er hat den Druck auf Merkel abermals erhöht: Seht her, was ihr für einen haben könntet, ruft er Unternehmern, Mittelständlern und allen Bürgern zu. Die aber kriegen stattdessen: Peter Altmaier. Den Mann, der nach Robert Habeck in den meisten Talkshows mitschnabelt, aber bis heute keine Botschaft unters Volk bringen konnte (abgesehen davon, dass sich die Unternehmen noch mehr für den Klimaschutz engagieren sollen, aber das kriegen diese ja schon von der Umweltministerin eingebläut).

Merz’ bloße Anwesenheit ist eine Provokation, weil sie die erschütternde Mittelmäßigkeit und Ambitionslosigkeit der angeblich Großen Koalition in der Wirtschaftspolitik vor Augen führt. Mit jedem Tag, an dem die Kanzlerin mit großzügiger Geste darauf verzichtet, den Besten zum Wirtschaftsminister zu machen, fügt sie dem Industrieland Deutschland Schaden zu. Und Annegret Kramp-Karrenbauer spielt mit, weil sie keine Lust hat, den Rivalen zu stärken.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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