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Merz rechnet mit Merkel ab: Die CDU probt den Aufstand

  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
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Friedrich Merz hat Recht mit seiner Abrechnung mit der Kanzlerin. Die CDU ist nach der Wahlkatastrophe in Thüringen verzweifelt, verletzt, im Innersten getroffen. Doch die Frau, die manche irrtümlich für die „Mutti“ der CDU halten, weil sie sie seit zwei Jahrzehnten dominiert, fand bis gestern kein Wort des Trostes oder des Mitgefühls.

Nicht für die erschütterten Wahlkämpfer in Thüringen, die sich für die Partei zerrissen haben, nur um am Ende die Ex-Kommunisten an der Macht dulden zu müssen. Nicht für den tapferen Mike Mohring, der von den Wählern für Merkels Politik so brutal abgestraft wurde.

Die Kanzlerin tut so, als ginge diese CDU sie nichts mehr an. Ihr Schweigen ist so kalt wie ihr Schulterzucken nach der desaströs verlorenen Bundestagswahl, als sie ungerührt anmerkte, sie wisse nicht, was sie hätte anders machen sollen. Angela Merkel hat ihrer Partei nichts mehr zu geben – und auch nicht dem Land, das sie noch immer regiert, ohne es zu führen. Zwei Jahre noch soll ihr quälend langer Abschied dauern. Doch ihre einst „Groß“ genannte Koalition windet sich im Todeskampf. Und die Volkspartei CDU ahnt, dass ihr dasselbe Schicksal blühen könnte wie der sterbenden SPD, wenn sie jetzt nicht den Neuanfang wagt.

Der kann nicht mehr von ihrer neuen Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ausgehen. Sie hat sich mit der Distanzierung von Merkels Asylpolitik von der CDU-Übermutter zu emanzipieren versucht – und sich ihr mit dem Eintritt in Merkels Kabinett am Ende doch unterworfen. Die CDU braucht, in Stil und Inhalt, den Aufbruch, sie braucht Leidenschaft und Kanten zurück, all das, was Merkel ihr genommen hat und AKK ihr nicht zurückgeben kann – jedenfalls nicht als Kanzlerkandidatin. Merz könnte das. Überlässt Kramp-Karrenbauer ihm die Kandidatur, könnten am Ende beide als Sieger dastehen. Es ist wohl kein Zufall, dass Merz auf Merkel zielt – und AKK schont.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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