Merz und Kramp-Karrenbauer Lange Schatten in der CDU

Merz und Kramp-Karrenbauer. Lange Schatten in der CDU .

GEORG ANASTASIADIS

„Wunder geschehen, ich hab’s gesehen, es gibt so vieles was wir nicht verstehen“, reimte einst Nena. So ähnlich dürfte es den Delegierten ergehen, die in gut drei Wochen den neuen CDU-Chef (oder die Chefin) zu wählen haben. Blau war das Wunder, das Friedrich Merz dieser Tage erlebte: Kaum Kandidat für die Merkel-Nachfolge, bekam der Blackrock-Aufsichtsratschef Friedrich Merz schon ungebetenen Besuch von der Staatsanwaltschaft NRW. Wunderliches war diese Woche auch von seiner Konkurrentin Annegret Kramp-Karrenbauer zu vernehmen: „Lebenslange Wiedereinreisesperren“ für straffällig gewordene Asylbewerber verlangt AKK und klingt dabei mehr nach Seehofer als nach ihrer Ziehmutti. Wir erinnern uns dunkel: Als sich der Bundesinnenminister im Sommer wegen eben solcher Zurückweisungen an der Grenze mit der Kanzlerin anlegte, passte noch kein Blatt zwischen die Chefin und ihr Abziehbild.

Doch jetzt hat Kramp-Karrenbauer die „Ära Merkel“ für beendet erklärt und spricht, bezogen auf deren Endphase, wenig freundlich von der „bleiernen Zeit“. In Siebenmeilenstiefeln sucht die Kandidatin Merkels riesigem Schatten zu enteilen. Sie weiß: CDU-Chefin kann sie nur werden, wenn sie es schafft, die Parteifreunde davon zu überzeugen, dass auch sie in der Asylpolitik den Neuanfang will. Merz’ dunkler Schatten hingegen heißt ab sofort Blackrock. Sein Aufsichtsratsmandat dort hat er erst Jahre nach den skandalösen Steuergeschäften angetreten, an denen offenbar auch der weltgrößte Vermögensverwalter beteiligt war. Doch ist das damit verbundene Verhetzungspotenzial enorm. Zwar hat Kramp-Karrenbauer vor einem „ruinösen Wettbewerb“ um den CDU-Vorsitz gewarnt. Doch kennt Merz seine Partei gut genug, um zu wissen, dass es einem Wunder gleichkäme, wenn sich seine Gegner daran hielten. Dieses Wunder wird nicht geschehen.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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