Merkels zaghafter Auftritt

-
+
-

Die Ex-Auto-Kanzlerin. MARTIN PREM.

Ist es die Corona-Schockstarre? Es ist schon erstaunlich, wie lange Kanzlerin Angela Merkel brauchte, um auf die drohende für die deutsche Autoindustrie verhängnisvolle neue EU-Abgasnorm zu reagieren. Man dürfe den Verbrenner nicht„technisch unmöglich“ machen, sagte sie gestern zaghaft gegenüber der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Viel Überzeugungsarbeit musste sie in diesem Kreis wohl nicht leisten.

Wenn man daran denkt, mit welcher Vehemenz früher deutsche Industrie-Interessen auf dem Brüsseler Parkett vertreten wurden, wird einem bang. Auf über 90 Prozent der globalen Straßen ist Elektromobilität mangels Infrastruktur unrealistisch. Die deutschen Autobauer würden sich von diesen Märkten verabschieden, wenn sie in ihren Kernländern Benziner aufs Altenteil schicken müssten.

Die Folgen für Wohlstand und Beschäftigung in Bayern wären fatal. Deshalb ist es erstaunlich, dass die Staatsregierung schweigt. Will man mögliche grüne Partner nicht verprellen? Oder plant man Bayerns Zukunft ganz anders? Na ja: Mit acht Pferden und Karossen aus Nymphenburg fährt ein Landesvater zwar langsamer, aber deutlich herrschaftlicher als mit acht Zylindern aus Dingolfing.

Martin.Prem@ovb.net

Kommentare