Merkels Statement, Söders Beitrag

Die Kanzlerin am Chiemsee. MIKE SCHIER.

Die nüchterne Physikerin Angela Merkel ist keine Freundin allzu großer Selbstinszenierung. Trotzdem achtet sie genau darauf, welche Wirkung ihre Auftritte hinterlassen. Die Farbe ihrer Hosenanzüge wählt sie bewusst, die berühmte Raute dient als Marke und verhindert zugleich Fotos mit unbeholfener Handhaltung. Die Kanzlerin und ihre Berater dürften also genau überlegt haben, welche Bilder da gestern am Chiemsee entstanden. Die Kutsche, die Schifferlfahrt, das Schloss. Es wirkte wie eine Krönungsmesse für den Kanzlerkandidaten. Kein guter Tag für die Herren Laschet, Merz und Röttgen.

Im Gegensatz zu Merkel ist der ehemalige Fernsehredakteur Markus Söder ein großer Freund der Inszenierung. Selbst als ihn Günther Beckstein einst im weitgehend bedeutungslosen Europaressort verräumen wollte, gerierte er sich als „bayerischer Außenminister“. Diese Gabe half ihm nach oben, brachte ihm aber auch sein Leben lang Spott ein. Erst zuletzt fand er die richtige Mischung aus Darstellung und Inhalt. Aus der Corona-Krise ging Söder vor allem deshalb als Gewinner hervor, weil er entschlossen handelte und dies auch perfekt inszenieren konnte.

Der gestrige Auftrieb auf Herrenchiemsee aber war ein Rückfall in alte Söder-Zeiten. Von der „Demut“, die er sich nach der Landtagswahl selbst auferlegt hatte, ist nichts geblieben. Dafür dürften die Bilder vom Chiemsee umso länger nachwirken. Als Werbung für den Tourismus in Bayern. Als politisches Statement Merkels. Aber eben auch als Erinnerung für Kritiker, die sich in den letzten Wochen, von sich selbst überrascht, als Söder-Fan outeten. Im neuen Söder steckt immer noch der alte.

Mike.Schier@ovb.net

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