Merkel und der Iran-Konflikt Paradoxes Festhalten an wertlosem Deal

Merkel und der Iran-Konflikt. Paradoxes Festhalten an wertlosem Deal .

FRIEDEMANN DIEDERICHS

Man könnte in Versuchung kommen, Teheran für das Eingeständnis zu loben, die ukrainische Boeing 737 nach dem Start irrtümlich abgeschossen zu haben. Doch die Kehrtwende des Iran kam nur unter massivem Zwang zustande, als die Macht der Fakten dem Land keine andere Wahl mehr ließ und sich auch im Inland Protest rührte. Und die Umkehr geschah nur stufenweise – zunächst kombiniert mit neuen haarsträubenden Behauptungen und der Aussage, Donald Trump trage eine Mitschuld an der Katastrophe. Doch der US-Präsident hat die Rakete nicht abgefeuert – und in der Eliminierung eines Top-Terroristen eine Kausalität für den Crash zu sehen, ist schon weit hergeholt.

Unterm Strich bleibt der Eindruck eines Regimes, das zum Geständnis getragen werden musste und hofft, damit einen Schritt in Richtung Deeskalation gemacht zu haben. Zuvor hatte auch Trump seinen Wunsch nach einer Entschärfung der Kriegsgefahr klargemacht, als er auf den Beschuss der US-Basen im Irak nur mit Sanktionen reagierte. Dass nun angesichts dieser Konstellation Russland und Deutschland das Atomabkommen mit Teheran weiter retten wollen, wirkt paradox. Das Vertragswerk ist faktisch längst tot, da mögliche Strafmaßnahmen der Weltmacht USA jedem Großkonzern den Mut zum Handel mit Teheran nehmen. Angela Merkel wäre besser beraten, auf eine neue Ära der Diplomatie zwischen Washington und Teheran und eine Nachbesserung des nun wertlosen Abkommens abzuzielen.

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