Merkel fordert Debattenstopp Kein betreutes Denken in der Virus-Krise!

Merkel fordert Debattenstopp. Kein betreutes Denken in der Virus-Krise!

GEORG ANASTASIADIS

Wenn Mutti auf den Tisch haut, wird’s gefährlich. Das wissen viele Deutsche noch aus der Asyldebatte, als Merkels kategorisches „Wir schaffen das“ weitere unerwünschte Debatten beenden sollte. Nun also das neue Machtwort aus dem Kanzleramt: „Öffnungsdiskussionsorgien“ hätten in der Corona-Krise zu unterbleiben.

Jetzt ist die Aufregung groß, wie immer, wenn die Kanzlerin ihre gewohnte Moderationsrolle aufgibt und Führung beansprucht. Die FDP findet ihren Satz sogar „unverschämt“. Zunächst: Als Regierungschefin hat Merkel das Recht und die Pflicht, den Bürgern zu erklären, welchen Weg aus der Krise sie für den richtigen hält. Man hätte sich Führung schon etwas früher gewünscht: im Januar, als asiatische Staaten sich schon gegen das Virus wappneten und die Chinesen den arglosen Europäern sogar die Schutzausrüstung wegkauften. Schwierig aber wird es, wenn die Kanzlerin nicht nur den Weg weist. Sondern diesen auch gleich wieder für alternativlos erklärt. Die Deutschen brauchen in der Viruskrise kein betreutes Denken. Sonst landen nicht nur Menschen und Existenzen auf der Intensivstation. Sondern auch die Demokratie.

Enttäuschend ist, dass die Kanzlerin ihren Bürgern so wenig über den Weg traut. Das entspricht nicht dem Leitbild des mündigen Bürgers, das CDU und CSU sonst so gerne vor sich hertragen. Die allermeisten Deutschen haben ihr Verhalten der Bedrohung angepasst und suchen nach Möglichkeiten, sich kleine Freiheiten Stück für Stück zurückzuholen. Das ist auch bitter notwendig, denn das Leben muss weitergehen und der Staat wird nicht dauerhaft alle Probleme mit Geld zuschütten können. Nicht Denk- und Debattenverbote sind gefragt. Sondern gute Ideen.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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