Merkel in der Corona-Krise Sie spricht, immerhin MIKE SCHIER

Merkel in der Corona-Krise. Sie spricht, immerhin .

MIKE SCHIER

Es war allerhöchste Zeit: Nach Tagen hektischer Corona-Debatten, in denen sich bereits ein föderaler Flickenteppich an Regelungen und Verboten entwickelte, hat sich endlich auch die Bundeskanzlerin öffentlich zur heraufziehenden Corona-Epidemie geäußert. Sie tat dies mit aller Merkelschen Zurückhaltung – eigentlich wiederholte sie nur das, was sich in den vergangenen Tagen zum Common Sense entwickelt hatte. Aber immerhin: Ihr Satz von der „Vernunft und dem Herz füreinander“, die auf die Probe gestellt würden, dürfte länger nachhallen.

Eigentlich wäre eine Naturwissenschaftlerin, die eher nüchtern, analytisch und faktenbasiert als emotional auf Probleme reagiert, der perfekte Politikertyp für eine medizinische Krise wie diese. Doch gerade weil die Verunsicherung in der Bevölkerung so groß ist, schreit das Land auch nach politischer Führung. Nach jemandem, der die Herausforderung mit all ihren Unwägbarkeiten entschlossen angeht. Einem, an den sich ein verunsichertes Volk anlehnen kann. Wie einst Helmut Schmidt in der Sturmflut oder Gerhard Schröder beim Hochwasser.

Merkel war nie eine, die ihre Politik gerne erklärt hat. In ihren besten Zeiten, beispielsweise der Finanzkrise, vertrauten ihr die Deutschen blind. Doch dieses Vertrauen hat massiv gelitten – ironischerweise durch das einzige Mal, als die Kanzlerin die Debatte nicht erst laufen ließ, sondern die Agenda von Anfang an selbst bestimmen wollte: der Flüchtlingskrise. Das „Wir schaffen das“ wird Merkel nie mehr los. Aber gerade weil sie die Ängste und Sorgen vieler Deutscher damals so falsch einschätzte, muss sie diesmal kommunizieren, dass sie verstanden hat. Der gestrige Auftritt kann da nur der Anfang sein.

Mike.Schier@ovb.net

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