Merkel in Ankara Zwei mit dem Rücken zur Wand KLAUS RIMPEL

Merkel in Ankara. Zwei mit dem Rücken zur Wand .

KLAUS RIMPEL

Aus fadenscheinigen Gründen inhaftierte Deutsche, der Angriff auf die Kurden in Nord-Syrien – und wiederholte Drohungen, Millionen von Flüchtlingen nach Europa zu schicken: Trotz dieser Tiefschläge im deutsch-türkischen Verhältnis wirkte Angela Merkel beim Besuch in Ankara erstaunlich entspannt. Das mag damit zusammenhängen, dass die Kanzlerin weiß, dass Recep Tayyip Erdogan zwar gerne poltert, aber im Grunde genommen genauso von Deutschland und Europa abhängig ist wie umgekehrt. Ihr Angebot, den Flüchtlings-Deal mit zusätzlichen EU-Milliarden zu retten, könnte beiden nutzen.

Erdogan steht an zwei Fronten innenpolitisch unter extremem Druck: Die Türken leiden unter der anhaltenden Wirtschaftskrise – deshalb braucht Erdogan Europas Geld und gute Geschäftsbeziehungen. Und es gibt immer stärkere Unzufriedenheit auch unter seinen Anhängern über die 3,7 Millionen syrischen Flüchtlinge im Land. Die Türkei hat drei Mal so viele Syrer aufgenommen wie die gesamte EU, das wird hierzulande oft vergessen.

Erdogan kann taktieren, weil die EU nach wie vor keine gemeinsame Flüchtlingspolitik hinbekommt und sich die Lage auf den griechischen Inseln zuspitzt. Hier verhandelten also zwei Politiker mit dem Rücken zur Wand – aber beide brauchen den Deal. Deshalb drückt Merkel alle Augen zu, wenn es um Erdogans Menschenrechtsverletzungen geht. Und deshalb riskiert Erdogan weiteren Unmut der Türken über die vielen Syrer im Land.

Klaus.Rimpel@ovb.net

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