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Meinung

Kardinal Marx bietet Amtsverzicht an: Ein Erdbeben für einen Neubeginn

Claudia Möller online rahmen
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Claudia Möllers

Wie gelähmt wirkt die katholische Kirche seit vielen Jahren in Deutschland.

Trotz der Missbrauchskrise und der systemischen Vertuschungen, die seit 2010 die Glaubwürdigkeit der Institution erschüttern, sind die Beharrungskräfte so gewaltig, dass Veränderungen kaum möglich erscheinen. Dass sogar das Gespenst der Kirchenspaltung von interessierten Kreisen an den Himmel gemalt wurde.

Die innerkirchliche Debatte hat einen „toten Punkt“ erreicht, beschreibt der Münchner Kardinal Reinhard Marx die Lage – und löst mit seiner Bitte um Amtsverzicht ein Erdbeben aus, das nicht nur die deutsche Kirche erschüttert, sondern bis nach Rom und in die Weltkirche hinein wirken wird. Sein Amtsverzicht kann sogar das auslösen, was sich Marx für seine Kirche wünscht: einen Wendepunkt und frische Luft für die Zukunft.

Marx, der gesellschaftliche und kirchliche Entwicklungen brillant analysieren kann, hat schon 2010 glasklar erkannt, was der Missbrauchsskandal für die Kirche bedeutet und wie schwierig es ist, Vertrauen zurückzugewinnen. Er hat nach und nach begriffen, dass nur mit einer Erneuerung der Institution die Verbreitung des Glaubens eine Zukunft hat. Als ihm viele Amtsbrüder die Unterstützung versagten, hat er das Amt des Vorsitzenden der Bischofskonferenz aufgegeben. Er gründete mit einer halben Million Euro aus seinem Privatvermögen eine Stiftung für Missbrauchsopfer.

Nun stellt er auch noch sein Amt zur Verfügung. Marx hat erkannt, wie bedroht die Kirche ist, und beweist Größe. Er zeigt den Amtsbrüdern, was es bedeutet, moralische Verantwortung für die eigenen Fehler zu übernehmen. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wird seit gestern 11 Uhr um sein Amt zittern. Der Münchner Kardinal indes hat seine Zukunft in die Hand des Papstes gelegt. Vielleicht lässt er ihn ja auch in München im Amt.

Claudia.Moellers@ovb.net

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