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Richterspruch im Floyd-Prozess: Ein gerechtes Urteil

Friedemann Diederichs online rahmen
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Friedemann Diederichs

Schuldig! Die Tötung des Afro-Amerikaners George Floyd im vergangenen Sommer in Minneapolis durch den Polizisten Derek Chauvin ist nun durch ein überzeugendes und gerechtes Urteil der Geschworenen gesühnt worden.

Wer es ertrug, sich die neuneinhalb Minuten vom öffentlichen Sterben Floyds im Video anzusehen, konnte nur zu dem Fazit kommen: Es waren die Aktionen des Hauptangeklagten und dessen Knie auf dem Hals des Opfers, die ursächlich für den Tod Floyds waren. Denn selbst wenn der Mann unter Drogeneinfluss stand, wie es die Verteidigung argumentiert hatte: Er hätte dies überlebt, wäre nicht die brutale Tat hinzugekommen.

Die mit dem Verfahren verbundene Kernfrage lautet aber: Wird sich im extrem gespannten öffentlichen Verhältnis zwischen Polizei und Minderheiten in den USA etwas ändern? Während es im Prozess keine Hinweise darauf gab, dass Chauvin und andere Beamte aus rassistischen Motiven gehandelt haben, so beklagte US-Präsident Joe Biden dennoch einen „systemischen Rassismus“ unter Cops. Neue Vorgänge haben in den letzten Wochen diese Debatte befeuert.

Durchschnittlich sterben drei US-Bürger pro Tag – ob weiß, schwarz oder braun – bei Begegnungen mit der Polizei. Das erscheint aus europäischer Sicht als viel zu hohe Zahl, obwohl die Bewaffnung vieler Rechtsbrecher dabei auch eine Rolle spielen dürfte. Wirkliche Reformen, die über politische Lippenbekenntnisse hinausgehen, sind also überfällig.

Politik@ovb.net

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