Meilenstein für die Heimarbeit

Lehren aus der Corona-Krise. MARC BEYER.

Nicht nur in deutschen Unternehmen gibt es neuerdings kuriose Szenen, wenn Kleinkinder in Meetings hineinplatzen. Oder wenn die Kollegen am Bildschirm vorgeführt bekommen, wie Schreibtisch und Maltisch fließend ineinander übergehen. Die Schattenseiten des Homeoffice – räumliche Enge, angespannte Eltern, schwer zu bändigender Nachwuchs – sind unstrittig. Aber sie sind nichts im Vergleich zu seinem Nutzen.

Corona ist für die Heimarbeit ein Meilenstein. Die viel zitierte Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nur der naheliegendste Aspekt. Eine Verlagerung vom Büro ins Zuhause entlastet den innerstädtischen Verkehr und kommt der Luftqualität zugute. Virologisch ist es eh sinnvoll, betriebswirtschaftlich aber womöglich auch.

Schon stellt sich die Frage, ob Bürotürme je wieder voll werden, wenn Unternehmen wie Facebook und Twitter erst anfangen, das Personal auch in normalen Zeiten am heimischen Schreibtisch zu beschäftigen. Die Binse von der „Krise als Chance“ kriegt da eine ganz neue Bedeutung. Wie Videokonferenzen manche Reise ersetzen werden, könnte das Homeoffice eine Antwort auf hohe Immobilienpreise bieten. Die nächsten Monate dürften weitere Erkenntnisse über die Zukunft der Arbeit liefern. Denn so viel ist klar: Mit den Einschränkungen durch Corona werden wir uns noch lange arrangieren müssen.

Marc.Beyer@ovb.net

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