Mehr Freiräume

Lehren aus dem Corona-Sommer. MARC KNIEPKAMP.

Corona ist eine Zumutung – und wir warten alle sehnsüchtigst darauf, dass die Zeit der Entbehrungen endlich vorbei ist. Corona bietet aber auch die Chance, aus alten Denkmustern auszubrechen und neue Wege zu gehen. Die können auch in Zukunft Bestand haben.

Wer in diesen Tagen durch München schlendert, kann den Bewohnern der Stadt dabei zusehen, wie sie sich den öffentlichen Raum wieder aneignen. Zum Beispiel auf den neuen Mini-Biergärten, die vor vielen Kneipen in quasi allen Vierteln entstanden sind. Wo bisher zwei bis drei Autos standen – oder auch nur ein schlecht geparktes –, sitzen jetzt die Menschen beim Wirt in der Nachbarschaft zusammen. Ein neues, beinahe südländisches Lebensgefühl – und das in einer Stadt, in der bisher um jeden einzelnen Parkplatz gestritten wurde wie um den letzten Schluck Wasser in der Wüste. Plötzlich öffnen sich Räume – und die Menschen nutzen sie.

Gleiches Bild auf der Theresienwiese. Auch hier ist ein unerwarteter Freiraum. Wo eigentlich längst mit schwerem Gerät die ersten Festzelte aufgebaut würden, feilen jetzt Kinder an ihren Inline-Skate-Fähigkeiten und nutzen Windsurfer auf Skateboards jede noch so kleine Brise. Und zwischendrin picknicken die Menschen im hohen Gras, das auf einmal auf dieser Wiese wächst.

Die Lehre aus diesem Corona-Sommer kann also nur lauten: Gebt den Städtern mehr Freiräume – sie werden was daraus machen.

Marc.Kniepkamp@ovb.net

Kommentare