Mehr Balance und weniger Ideologie

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Neue Radwege in der Stadt. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

In den vergangenen sechs Corona-Monaten hat sich die Mobilität so drastisch geändert wie noch nie. In einem Detail zum Guten: Mehr Radfahrer sind in den Städten unterwegs. Höchstens ein Bruchteil radelt aus beinharter Ideologie, die meisten steigen aus Pragmatismus um. Weil’s in größeren Städten schneller und praktischer ist als das Auto und aktuell gesünder als eine gut gestopfte U-Bahn. Natürlich muss die kommunale Verkehrspolitik darauf mit Umbauten reagieren, und am besten mit eben dieser Grundhaltung: unideologisch und pragmatisch.

Die Pop-up-Radwege sollten dort, wo sie jetzt stark befahren werden, 2021 zur Dauerspur werden. Es ist auch richtig, an ausgewählten Straßen Parkplätze zu Radwegen und Stellflächen umzubauen. Nicht überall, vor allem nicht aus Auto-Hass oder Klima-Ideologie, sondern nüchtern abgewogen: Dient öffentlicher Straßenraum in dicht besiedelten Vierteln am effektivsten zum Auto-Dauer-Abstellen für 30 Euro Jahresgebühr wie in München, oder nicht etwas sinnvoller zur sicheren Mobilität?

Die Debatte darüber läuft noch zu radikal und zu gestrig. Hier eine Volkspartei, die sich lokal als Autofahrer-Lobby missversteht und ihre Wähler unterschätzt. Da der Vorschlag einer unabgefederten Auto-Straf-Maut für hunderttausende Münchner, unsozial angelegt und deshalb eine Provokation. Dabei braucht’s keine Extremvorschläge – sondern einfach eine neue, an die Realität angepasste Balance beim Nutzen öffentlicher Verkehrsfläche.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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