Mays Brexit-Endspiel Showdown in London ALEXANDER WEBER

Mays Brexit-Endspiel. Showdown in London .

ALEXANDER WEBER

Theresa May hat den point of no return erreicht. Nach monatelangem Lavieren muss die Premierministerin jetzt mit dem Brüsseler Brexit-Entwurf in der Hand springen. Die Mehrheit ihrer Kabinettsmitglieder konnte sie im berühmt-berüchtigten Beichtstuhlverfahren auf den jetzt vorgezeichneten Kurs der wirtschaftlichen Vernunft einschwören. Sogar ihrem Brexit-Minister Dominic Raab ist nach eigener Aussagen inzwischen die Dimension des Handelsstroms zwischen Dover und Calais klar geworden. Ein Deal ist eben doch besser als „no Deal“.

Das kommende Sondertreffen mit den EU-Spitzen wird May im Gewand der kämpferischen Löwin betreten, um dem heimischen Publikum zu verdeutlichen, dass sie alles, aber auch wirklich alles getan hat, ihre Doppelaufgabe zu erfüllen: Einerseits das Leave-Resultat des Referendums umzusetzen, aber andererseits maximalen Schaden des Brexits für Großbritannien abzuwenden. Der politische EU-Austritt des Vereinigten Königreichs am 29. März 2019 bei gleichzeitigem Verbleib in der Zollunion für noch unbestimmte Zeit ist jedoch genau jene explosive Mischung, die das Papier im Parlament von zwei Seiten beendigen könnte: Die Brexiteers sehen darin eine Kapitulationsurkunde gegenüber Brüssel. Und die Proeuropäer die Chance, durch seine Ablehnung ein zweites Referendum zu erzwingen oder den Brexit ganz abzublasen. Für May gilt nun der abgewandelte Fußball-Spruch: Sie hat keine Chance, aber die muss sie nutzen.

alexander.weber@ovb.net

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