Mauerfall vor 30 Jahren Glücksmoment der Geschichte

Mauerfall vor 30 Jahren. Glücksmoment der Geschichte .

DIRK WALTER

Keine Frage, der Mauerfall zählt zu den Glücksmomenten deutscher Geschichte, und das aus zwei Gründen: Erstens ist selten ein boshaftes, allzeit zu Schikane bis hin zum Mord gegen Abweichler bereites Regime derart gewaltfrei beseitigt worden. Und zweitens ist das vergrößerte Deutschland bis heute ein friedvolles Land geblieben, entgegen der Befürchtung vieler (Maggie Thatcher: „Wann marschieren sie wieder ostwärts?“) ohne Expansionsgelüste. Schon aus diesen Gründen sollte man einen Moment innehalten, nachdenken und ja: auch zufrieden durchschnaufen.

Nun kommt das Aber. Gewiss ist manches anders gelaufen, als es sich Optimisten gewünscht hätten. Bis heute fällt es schwer, sich in die Befindlichkeiten einstiger DDR-Bürger hineinzuversetzen, in ihre gefühlte oder tatsächliche Benachteiligung. Arbeitslosigkeit, Abwicklung, AfD – das sind drei hartnäckige Probleme. Wer hätte auch gedacht, dass ausgerechnet in den alten Arbeiter-Hochburgen Sachsen und Thüringen der Rechtsradikalismus grassiert? Gerade aus bayerischer Sicht ist „der“ Osten unendlich weit weg. Aber sollte das nicht eher Anlass zur Selbstkritik sein?

Eines ist weiterhin nicht einleuchtend: Warum ist der 3. Oktober, als der Anschluss eher geschäftsmäßig vollzogen wurde, als Tag der Einheit ein Feiertag? Viel besser wäre der 9. November mit seinen tiefdunklen und ganz hellen Seiten – Hitlerputsch, Judenpogrom, Mauerfall – als deutscher Gedenktag.

Dirk.Walter@ovb.net

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