Meinung

Söder träumt von Schwarz-Grün: Reizvoll, aber riskant

MIKE SCHIER
+
MIKE SCHIER
  • Mike Schier
    vonMike Schier
    schließen

Markus Söder klingt im symbolischen Doppelinterview mit Robert Habeck fast euphorisch: Ein schwarz-grünes Bündnis nach der Bundestagswahl strahle „großen Reiz“ aus, es sei „das interessanteste politische Angebot“.

Der CSU-Chef, der noch vor zwei Jahren nach der AfD schielte, macht sich zum Vorreiter einer neuen GroKo nach der Bundestagswahl. Nur dass der Partner dann nicht mehr Rot, sondern Grün wäre – trotz all der fundamentalen Differenzen bei Themen wie Zuwanderung, Verkehr, Innerer Sicherheit, Drogen, einem bedingungslosen Grundeinkommen oder der Bürgerversicherung.

Lesen Sie auch: Themenseiten zum Corona-Geschehen in der Region

Vieles deutet darauf hin, dass sich die beiden Parteien nach der Bundestagswahl in all diesen Streitpunkten zusammenraufen müssen – weil die Arithmetik des Ergebnisses kein anderes Bündnis zulässt. Doch mit Schwarz-Grün zu flirten, ehe der Wahlkampf überhaupt begonnen hat, ist strategisch mutig. Selbst im liberalen München tat sich bei der Kommunalwahl ein gewaltiger Spalt zwischen beiden auf. Umso schwerer dürfte es Söder fallen, mit seinen Bündnisträumen die ländliche Basis zu mobilisieren. Die beklatschte vor ein paar Jahren noch Strichmännchen-Videos, in denen die CSU-Zentrale dichtete: „Ein Männlein steht im Walde – ganz grün und dumm. Es hat vor lauter Protest eine Steinschleuder um.“

Schon Franz Josef Strauß wusste: Das Parteiensystem braucht das komplette Angebot von links nach rechts innerhalb des demokratischen Spektrums. Wenn die CSU rechts zu viel Platz lässt, freut sich am Ende nur die AfD.

Mike.Schier@ovb.net

Kommentare