Das Malheur mit der Öffnungspolitik

Kunst für 100 Zuhörer. MARKUS THIEL.

Gleich vorweg: Es geht hier nicht darum, Konzert-, Theater- und Opernaufführungen zu fordern, in denen man Arm an Arm, Schulter an Schulter und damit in Räusper- und Hustweite des Nachbarn sitzt. Erst 2021 dürfte das wieder möglich sein. Nicht zuletzt den Veranstaltern ist dies schmerzlich bewusst.

Zugleich ist offenkundig, dass diese Nähe schon heute möglich ist – in Restaurants, in Flugzeugen, manchmal auch im Supermarkt. Es gibt also verschiedene Tempi bei der Lockerung. Und ein Blick in den Münchner Gasteig beim ersten öffentlichen Konzert vor nur 100 erlaubten Zuhörern, diese verteilt auf 2400 Plätze, macht das Malheur, die Irrationalität, Ungerechtigkeit und Inflexibilität der bayerischen Ge- und Verbotspolitik deutlich.

100 Zuhörer, egal, ob in den Münchner Kammerspielen, in der Staatsoper oder in der Olympiahalle, diese Regelung schert Nicht-Vergleichbares über einen Kamm, bedroht, ja vernichtet Existenzen – und schreit nach juristischer Gegenwehr. Die wäre sogar erfolgreich, wird aber ausbleiben, weil fast alle Saalbetreiber in staatlicher oder halbstaatlicher Obhut sind. Dabei wäre es ein Leichtes, Zuhörerzahlen nach Größe der Spielorte zu staffeln.

Corona-Verordnungen wie diese machen eines deutlich: wie wenig die politischen Entscheidungsträger von den Erfordernissen, Notwendigkeiten und Möglichkeiten des Kulturlebens wissen. Was eben passiert, wenn man bei Oper und Konzert nur an den roten Teppich denkt.

Markus.Thiel@ovb.net

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