Macron: Nato ist „hirntot“ Berlin und Paris müssen führen

Macron: Nato ist „hirntot“. Berlin und Paris müssen führen .

MIKE SCHIER

Am Ende dominiert ein unglücklicher Begriff die Debatte: „Hirntot“ sei die Nato, hat der französische Präsident Emmanuel Macron diagnostiziert. Mit anderen Worten: quasi nicht mehr zu retten. Kein Wunder, dass sich Angela Merkel genötigt sah, öffentlich zu widersprechen.

Jenseits des Schlagwortes ist der Hilferuf Macrons bitter nötig. Lange hatte sich das westliche Verteidigungsbündnis als Schutzwall erst gegen sowjetische, dann gegen russische Expansionsbestrebungen definiert. Doch seitdem der außenpolitisch völlig prinzipienlose US-Präsident Donald Trump die politische Führung verweigert, ist vieles ins Rutschen geraten. Sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan hat sich mit der Offensive gegen die Kurden in Nordsyrien quasi aus der Gemeinschaft verabschiedet. Die Briten sind von der Brexit-Debatte völlig gelähmt, die deutsche Kanzlerin hat dramatisch an Standing verloren. Die Krise der Nato – da hat Macron völlig Recht – manifestiert sich nicht in der Zusammenarbeit auf militärischer Ebene. Gerade auch mit den Amerikanern, die man nicht mit Trump gleichsetzen sollte. Sie entspringt allein einem politischen Führungsvakuum.

Im kommenden Monat wird das Bündnis seinen 70. Geburtstag feiern. Nicht die Party eines Hirntoten, aber die eines Patienten. In Deutschland scheint – das zeigen die Vorstöße von Annegret Kramp-Karrenbauer – die Erkenntnis zu wachsen, dass Europa in die Lücke vorstoßen muss, die Trump gerissen hat. Statt öffentlich zu streiten, sollten Berlin und Paris dabei als Tandem vorangehen.

Mike.Schier@ovb.net

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