CSU vor dem Machtwechsel Das Ende der Doppelspitze

CSU vor dem Machtwechsel. Das Ende der Doppelspitze .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

In den letzten 20 Jahren hatte die CSU zwei unterschiedliche Erfahrungen mit Doppelspitzen – beide schlecht. Das Duo Beckstein/Huber wollte, aber konnte es nicht besser. Das Duo Söder/Seehofer konnte es besser, wollte aber nicht. Ihr bewusstes Gegeneinander, die Machtspiele, die ewigen Reibungsverluste, haben auch dazu beigetragen, die CSU in klägliche 30+X-Welten zu drücken.

Es ist logisch, nun Ministerpräsidenten- und Partei-Amt wieder zu bündeln, vor allem mit Blick auf ein machtvolles Auftreten als geschrumpfter Partner in der Bundespolitik. Nicht ganz so logisch ist, beide Ämter an Markus Söder zu geben, der auch einen Teil der Schuld am Wahl-Absturz trägt. Trotzdem ist zu ihm in diesen Ämtern derzeit keine Alternative in Sicht. Parteivorsitze werden eben nicht nach Grazilität und Haltungsnoten wie beim Turmspringen vergeben, sondern nach der brutal nüchternen Abwägung, wer in Zukunft die meiste Macht und die meisten Mandate heranschaffen kann.

Vor einem Parteichef Söder liegen viele Risiken. Er war und ist nicht in der Schlangengrube Berlin zuhause. Er wird auch lernen müssen, in München Aufgaben zu delegieren. Und er wird die Breite der CSU (wenn schon nicht in einer Doppelspitze) prominent mit Parteifreunden darstellen müssen. Neue Sozialpolitiker aufbauen, Außenpolitikern Raum lassen, bewegten Entwicklungspolitikern Gewicht geben – alles bald Söders Aufgabe.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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