Neue Besucherregelung: Machtspiel fern der Kultur-Realität

-
+
MARKUS THIEL

Bleiben Sie im Konzert, da ist es sicherer als daheim. Solche Sätze machen seit Tagen die Pointenrunde in den sozialen Netzwerken. Es ist der Humor der Verzweiflung.

Nur noch 50 Besucher in Theatern und Sälen bei „dunkelrotem“ Inzidenzwert, das ist eine Regelung, die allen Ansteckungsstatistiken plus vom Freistaat Bayern selbst in Auftrag gegebenen Pilotversuchen widerspricht – und damit die Grenze zur Willkür nicht nur streift.

Corona: Rosenheimer 7-Tage-Inzidenz über 200 – Staatsregierung berät über neue Maßnahmen

Kunst ist nicht ansteckend

Seit August, seitdem die Salzburger Festspiele bis zu 1000 Zuhörer zuließen pro Abend, läuft ein deutsch-österreichischer Dauer-Beweis, der zeigt: Kunst ist nicht ansteckend. Die Hygienekonzepte greifen, alle halten sich daran, es gibt keine Hinweise auf eine besondere Gefährdung. Die Kulturträger arbeiten dazu mit Medizinern und anderen Experten zusammen, mit all jenen also, auf die Politiker in anderen Fällen jederzeit vertrauen.

Erklären lässt sich die irrationale Gängelung der Veranstalter nur noch als Macht-Demonstration, als Regierungshandeln fern der Fakten, das sich aus der Kultur- und Realitätsferne der Entscheidungsträger speist. Auch dadurch droht einem Kultursystem, in dem man sich sonst gern sonnt, der endgültige Zusammenbruch. Abgesehen davon: Wenn Live-Kunst angeblich so gefährlich ist, warum verbietet man sie nicht ganz? 50 Besucher, zu viel zum Sterben, zu wenig, um auf Dauer zu überleben, das ist Zynismus, ein Gnadenerlass wie eine Ohrfeige.

Markus.Thiel@ovb.net

Kommentare