Machtkampf in der CDU Jens Spahn – der lachende Dritte?

Machtkampf in der CDU. Jens Spahn – der lachende Dritte?

MIKE SCHIER

Leipzig. In der kommenden Woche will die CDU auf ihrem Parteitag in der Sachsen-Metropole diskutieren, in welche Richtung sie steuert. Leipzig – das steht bislang für den Reform-Parteitag 2003, der in der Union zu massiven Verwerfungen geführt hatte. Der Plan, die Sozialversicherungen vom Lohn zu entkoppeln, wurde nicht zuletzt aufgrund des massiven Widerstandes eines gewissen Horst Seehofer später kleinlaut einkassiert. Umso erstaunlicher, dass Friedrich Merz 16 Jahre später behauptet, die CDU habe sich ausgerechnet bei diesem Parteitag als „Reformpartei mit Gestaltungskraft“ präsentiert. Dabei hieß der Reformer des Jahres 2003 Gerhard Schröder.

Inzwischen vergeht fast kein Tag, ohne dass Merz von der Zuschauertribüne aus ein Interview gibt, in dem er den Protagonisten in der Politarena die Leviten liest. Vieles an der Kritik ist absolut berechtigt. Doch langsam schleichen sich Zweifel ein, wie klug sein Vorgehen strategisch ist. Schließlich weiß jeder in der CDU, dass es Merkels altem Intimfeind nicht nur um die Sache geht. Erstens begleicht er alte Rechnungen, zweitens verfolgt der 64-Jährige eigene Ambitionen. Das große Merz-Problem: Wer 17 Jahre aus der Politik raus ist, tut sich schwer, eigene Erfolge für sich ins Feld zu führen.

Genau deshalb heißt der Gewinner der Stunde im ewigen Machtkampf eher Jens Spahn, der anders als Merz mit 39 Jahren die Zeit auf seiner Seite hat. Nach seiner Niederlage beim Dezember-Parteitag hat er einfach weiter gearbeitet, bringt mit seinem Reformeifer das ganze Gesundheitswesen ins Schwitzen. Gleichzeitig ruft er die Kontrahenten väterlich dazu auf, die Personaldebatten zu beenden. Das dürfte den Nerv der CDU gut treffen.

Mike.Schier@ovb.net

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