Die Logik des Despoten

Türkei wirbt um Touristen. MARCUS MÄCKLER.

Da schau her, in der Krise entdeckt Ankara seine „deutschen Freunde“ wieder. Außenminister Mevlüt Cavusoglu warb gestern in Berlin um Urlauber, die der türkischen Tourismuswirtschaft im Moment schmerzlich fehlen. Das ist nicht verwerflich, zumal man sich schon fragen kann, warum die Bundesregierung vor Reisen nach Antalya warnt, vor Trips ins ebenfalls Corona-geplagte Großbritannien aber nicht. Dass sich das Mitgefühl aber in Grenzen hält, hat Ankara selbst zu verantworten.

Weder in Berlin noch in Brüssel hat man die Erpressungsversuche der vergangenen Jahre vergessen. Erst vor wenigen Monaten versetzte Präsident Erdogan Europa einen Schock, als er – mal wieder – mit dem Ende des Flüchtlingsdeals drohte und die Grenze nach Griechenland zeitweise öffnete. Erdogan verursachte die Krise vor der (Corona-)Krise. Sich jetzt auf Fairness und Objektivität zu berufen, mag zur Logik eines Despoten passen, ist aber abenteuerlich. Die Erfahrung zeigt: Man darf es ihm nicht zu leicht machen. Theoretisch wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, Reiseerleichterungen an Bedingungen zu knüpfen: ein Zurückfahren des Drohnenkriegs in Syrien und Nordirak etwa oder die Freilassung der noch immer inhaftierten Journalisten. Die Erfahrung zeigt aber auch: Solche Forderungen muss Erdogan kaum fürchten.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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