Meinung

Kapazitäten bei Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten: Lösungen statt Lockdown

-
+
-
  • Mike Schier
    vonMike Schier
    schließen

Man traut seinen Augen nicht: Bayerns (inzwischen zu Recht versetzte) Gesundheitsministerin Melanie Huml antwortete auf eine nun veröffentlichte Anfrage der Grünen unbekümmert, dass die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Corona-Fällen ihr Hilfskräfte-Potenzial „nicht ausgeschöpft“ haben. Wie bitte?

Die Ministerpräsidenten erklären seit Monaten, erst ab einer Inzidenz von 50 sei die Nachverfolgung – und damit die Pandemie – in den Griff zu bekommen. Man fährt lieber das öffentliche Leben runter, ehe man das Personal ausschöpft?

Nach einem Jahr wird es Zeit, dass der Staat aus dem Notfall-Modus kommt und die Pandemie mit deutscher Gründlichkeit anpackt. Ungenutztes Personal zur Nachverfolgung passt da ebenso wenig ins Bild wie die noch immer viel zu hohen Inzidenzzahlen bei der Generation Ü 80. Und noch mehr passt nicht: Warum ist es ein unüberwindbares technisches Hindernis, dass ein Sohn mit seiner E-Mail-Adresse zwei Impftermine für seine betagten Eltern vereinbart?

Weitere Kommentare zu politischen und gesellschaftlichen Themen finden Sie hier.

Stattdessen diskutiert die Politik über: eine weitere Verschärfung des Lockdowns. Dabei gibt es selbst zwei Wochen nach Silvester noch immer Verwerfungen bei den Zahlen des Robert-Koch-Instituts – und keine belastbaren Erkenntnisse über die Ausbreitung der Mutation. „Navigieren im Nebel“ wirft Virologe Alexander Kekulé den Entscheidern vor. Zu Recht!

Der Staat muss sich stärker auf Lösungen konzentrieren. Ausnahmsweise sei das Gesundheitsministerium auch mal gelobt: Ab nächster Wochen werden in Bayern eine Million FFP2-Masken an pflegende Angehörige verteilt.

Mike.Schier@ovb.net

Kommentare