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Corona-Gipfel mit der Kanzlerin: Ein verlängerter Lockdown ohne Ziel

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  • Mike Schier
    vonMike Schier
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Nein, es konnte niemanden überraschen, dass das Anti-Corona-Duo Merkel/Söder in seiner Sorge vor den diversen Mutationen mit einem harten Lockdown-Plan in die gestrigen Gespräche der Ministerpräsidenten gehen würde. Doch was dann morgens auf dem Tisch lag, verschlug einem doch die Sprache.

Harter Lockdown bis 14. März. Kein Fahrplan für Öffnungen. Kein Knüpfen weiterer Schritte an Inzidenzwerte. Kurz: Keine Perspektive. Stattdessen soll am 10. März über einen Stufenplan gesprochen werden – in einem Monat! Da wundert es nicht, dass dieser Vorschlag den Tag nicht überlebte.

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Die Corona-Debatte ist an einem sehr sensiblen Punkt angelangt. Nicht zuletzt, weil der gesellschaftliche Konsens des vergangenen Frühjahrs dahin ist. Inzwischen gibt es eine große Fraktion, die der Sorge vor Mutationen alles unterordnet. Auf der anderen Seite wächst die Zahl jener, die auf (vorsichtige) Öffnungen drängen. Letztere können sich sogar auf Merkel und Söder berufen, die einen Inzidenzwert von 50 als Zielwert ausgegeben hatten. Jetzt ist plötzlich 35 das neue 50. Mancher fühlt sich um den Lohn seiner Anstrengungen betrogen.

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Und genau hier lauert Gefahr: Bislang faselten nur Verschwörungstheoretiker von „Diktatur“, alle andern trugen die Maßnahmen mit erstaunlicher Disziplin mit. Doch wenn die Politik keine konkreten Ziele vorgibt oder – schlimmer – scheinbar objektive Kriterien (Nachverfolgung ab einer Inzidenz von 50) einfach an die eigene Politik anpasst, muss sie mit dem Vorwurf von Willkür leben. Das vergiftet die Stimmung und riskiert die Disziplin im Kampf gegen Corona. Beides ist gefährlich.

Mike.Schier@ovb.net

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