Meinung

Öffnungsdebatte zum Corona-Lockdown: Kulturpolitik lässt die Maske fallen

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Alles liegt auf dem Tisch. Die Inzidenzwerte, die Aerosol-Untersuchungen, die Pilotstudien in Sälen und Theatern, die Hygienekonzepte – alles wissenschaftlich abgesichert. Was jedoch fehlt, sind Entscheidungsträger, die daraus den einzig möglichen Schluss ziehen: Da Kultur erwiesenermaßen kaum bis gar nicht ansteckend ist, darf sie in der Öffnungsdebatte nicht das Schlusslicht bilden.

Wenn wir irgendwann auf den Beginn der 2020er-Jahre zurückblicken, wird sich uns eines offenbaren: mit welch Fantasielosigkeit, Starrsinn und Engstirnigkeit dem Besten begegnet wurde, das Deutschland je hervorgebracht hat – eine weltweit singuläre Kulturlandschaft. Stattdessen gibt es Schwarz-Weiß-Maßnahmen, Zusperren oder Öffnen, unabhängig von Saalgröße, Besucherkonzepten und dem Infektionsgeschehen. Dabei leuchtet selbst Minderbemittelten ein, dass 200 Kartenkäufer für Volkstheater oder Olympiahalle nicht dasselbe bedeuten können.

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Statt flexibel vorzugehen, wird Geld darüber ausgeschüttet. Und nicht einmal das funktioniert, man denke nur an die stotternden, unzureichend gestalteten Hilfsprogramme. In diesen Tagen wird sich also zeigen, ob Kunst weiterhin nur als Garnierung und nicht als Lebensnotwendigkeit begriffen wird. Denn auch das wird vom Beginn unserer 20er-Jahre bleiben: Wie eine Kulturpolitik die Maske fallen ließ. Und darunter Gesichter zwischen Unschlüssigkeit und Gleichgültigkeit sichtbar wurden.

Markus.Thiel@ovb.net

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