Meinung

Neue Spitze der Linkspartei: Sorgenkinder auf der Suche nach Identität

-
+
-

Es ist schon aberwitzig: Die Linkspartei, in der die Identität als neue politische Kategorie inzwischen mehr zählt als Milieu oder Klasse, hat die eigene Identität auch im Wahljahr noch nicht gefunden.

Ist man radikal gegen jeden Bundeswehr-Einsatz oder kann man mit Friedensmissionen leben? Ist man radikal gegen den Kapitalismus oder will man ihn eher zähmen? Ist man auf der Seite der kleinen Leute oder hält man es doch lieber mit jungen urbanen Wählern? Selbst dies ist offen: Will die Partei überhaupt regieren? Die Fragen türmen sich ins Unendliche.

Die Erwartung an die neue, wohl rein weibliche Doppelspitze ist, befriedende Antworten zu geben. Das wird extrem schwer. Zwar stehen die Hessin Janine Wissler und die Thüringerin Susanne Hennig-Wellsow für die zwei großen Lager der Partei – aber statt zu integrieren, blinkten sie bereits in verschiedene Richtungen, etwa bei der Regierungsfrage. Hinzu kommt das Wagnis, im Wahljahr eher unbekannte Gesichter an die Spitze zu hieven und sich zugleich aus ideologischer Härte von den wenigen echten Schwergewichten zu distanzieren.

Weitere Kommentare zu politischen und gesellschaftlichen Themen finden Sie hier.

Sahra Wagenknecht ist den Linken inzwischen zu rechts, der angesehene Abgeordnete und Finanzpolitiker Fabio de Masi will, frustriert über innere Kämpfe, nicht mehr antreten. Während die chronisch zerstrittene SPD aufgeräumt wirkt und sich nach links öffnet, sind nun die Linken die Sorgenkinder. Das kann überall enden, aber kaum in einer Regierung.

Marcus.Maeckler@ovb.net

Kommentare