Meinung

Die Münchner Wiesn im Jahr 2021: Lieber früher ehrlich sein

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Zu Beginn des zweiten Corona-Jahres, muss man kein Hellseher sein, um zu der Überzeugung zu kommen: Auch die Wiesn 2021 wird nicht stattfinden. Die Äußerungen Reiters lassen keinen anderen Schluss zu.

Eine Großveranstaltung, bei der sich gut sechs Millionen Menschen aus aller Welt auf engstem Raum amüsieren und sich mit Bier volllaufen lassen? Die kann es in Zeiten einer globalen Pandemie nicht geben, da waren sich Münchens OB Reiter und Ministerpräsident Söder im April 2020 einig – und sagten das Oktoberfest ab.

Er wolle keine „Wiesn light“, sagt der OB über die Neu-Auflage des Oktoberfestes 2021: keine beschränkten Besucherzahlen, keine Abstandsregeln. Weil die im enthemmten Zustand beim „Prosit der Gemütlichkeit“ eh nicht eingehalten würden. Ein Zutritt nur für Geimpfte sei nicht kontrollierbar und rechtlich fragwürdig. Das bedeutet im Umkehrschluss, das Virus müsste durch Herdenimmunität und Impfungen unter Kontrolle sein, damit das Fest steigen kann – und zwar weltweit, denn die ganze Welt kommt zur Wiesn. Doch davon kann keine Rede sein. Reiter sagt selbst, dass frühestens ab Herbst diejenigen Münchner geimpft werden können, die keiner prioritären Gruppe angehören. Selbst wenn im Sommer die Infektionszahlen saisonbedingt wieder sinken werden: Die letzten Wochen haben gezeigt, was passiert, wenn man sich zu früh in Sicherheit wiegt.

Zarte Lockerungen sollte es bei einer Besserung der Lage zuallererst im Kulturbereich geben, auch in Gastrobetrieben mit guten Hygienekonzepten. Das Oktoberfest fällt nicht in diese Kategorie, es wäre auch 2021 ein globales Superspreader-Event. Um zu dieser ehrlichen Einsicht zu kommen, müsste man nicht bis Juni warten.

Johannes.Loehr@ovb.net

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