Von der Leyens Berater-Affäre Obszöne Summen CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Von der Leyens Berater-Affäre. Obszöne Summen .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

„Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott“ – ein heiterer Rat aus dem Volksmund. Für die Führung des komplexen Verteidigungsministeriums taugt dieser Tipp aber nicht. Da ist Unterstützung von externen Beratern übergangsweise nötig: Um verkrustete Strukturen und Hierarchien aufzubrechen, um den Beamtenapparat besser auf Augenhöhe mit weltweit agierenden Konzernen verhandeln zu lassen. Und um eine Welt aus Vorgangsmappen und Aktenzeichen so auf Digitalisierung zu trimmen, dass die Bundeswehr auch Cyber-Attacken standhält.

Der Skandal ist also nicht, dass sich Ex-Ministerin Ursula von der Leyen Beratungsprofis ins Haus holte. Ein Skandal ist aber, dass diese Ausgaben komplett aus dem Ruder gelaufen sind. Aberwitzigen Summen steht ein rechnerisch kaum zu beziffernder Ertrag gegenüber. In einem halben Jahr 155 Millionen Euro für Berater auszugeben, ist obszön. Das muss sehr hässlich klingen in den Ohren der kaputtgesparten Truppe, der Material für Ausbildung und Einsatz fehlt, deren Hubschrauber nicht fliegen.

Von der Leyen hatte mal den ehrlichen Anspruch, die Bundeswehr zu modernisieren. Sie ist gescheitert, schon bei der internen Aufsicht. Ein Untersuchungsausschuss geht derzeit Vorwürfen der Vetternwirtschaft zwischen einer Staatssekretärin, Generalen und einer großen Agentur nach. Über diesen Scherbenhaufen hätte von der Leyen früher oder später stürzen müssen. Wie schön für sie, dass sie rechtzeitig den Absprung ins Brüsseler Paralleluniversum geschafft hat.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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