Letzte Munition im Wahlkampf

US-Truppenabzug aus Deutschland. KLAUS RIMPEL.

Fast alles, was Donald Trump wenige Monate vor der US-Präsidentschaftswahl tut, steht unter dem Vorzeichen seines Endkampfs um die Macht in Washington. Die auch für die Bundesregierung völlig überraschende Ankündigung, einen großen Teil der 34 500 in Deutschland stationierten US-Soldaten abzuziehen, ist der Versuch, ein Zeichen an seine Wähler zu setzen: „Seht her, euer Präsident hält sein Versprechen – wir werden nicht länger das Geld aus euren Steuern verschwenden, um undankbare, reiche Deutsche zu schützen, die zu geizig sind, ihre Militärausgaben zu erhöhen!“

Das ist zwar insofern Unsinn, da die Amerikaner nicht hier sind, um uns einen Gefallen zu tun, sondern aus ureigenen strategischen Interessen: Von Ramstein und anderen deutschen US-Basen aus werden Militär-Einsätze im Nahen Osten oder Schwarz-Afrika gesteuert. Und die zweite zentrale Aufgabe, der Schutz des Baltikums vor Russland, wird aus gutem Grund bislang auch von Deutschland aus gewährleistet. Denn wenn die US-Soldaten tatsächlich nach Polen und damit vor Putins Haustür verlegt werden sollten, wäre das eine Provokation Moskaus, die eine weitere Aufrüstungsspirale auslösen könnte. Doch entsprechende Warnungen seiner Militärs sind einem Trump egal, der durch die Wucht der Proteste gegen den Rassismus unter Druck geraten ist. Und dem jedes Mittel recht ist, von mehr als 100 000 Corona-Toten und rund 40 Millionen Arbeitslosen abzulenken.

Klaus.Rimpel@ovb.net

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