Das letzte Aufgebot

Einigung in Afghanistan. ALEXANDER WEBER.

Kann diese Einigung Afghanistan noch retten? Acht Monate sind seit der Präsidentschaftswahl vergangen, deren Ergebnis sowohl vom Lager Aschraf Ghanis als auch seines Dauer-Rivalen Abdullah Abdullah jeweils als eigener Sieg interpretiert wurde. Und deshalb zur Folge hatte, dass Afghanistan in der Stunde der größten Not heillos zerstritten war. Da balgten sich zwei Mäuse um einen Krümel Käse, während der Katze namens Taliban der Weg bereitet wurde, um das ganze Haus zu übernehmen.

Von Machtteilung durch Ghani und Abdullah zu sprechen, grenzt schon heute an Hochstapelei. Denn über Kabul hinaus hat die Zentralregierung so gut wie nichts zu melden. Wird das von den Trump-Amerikanern im Februar ausgehandelte Abkommen – das bemerkenswerterweise ohne Beteiligung der Kabuler Regierung zustande kam – umgesetzt, und die westlichen Soldaten kehren in ihre Heimat zurück, steht die politische „Elite“ Afghanistans ohne fremdländischen Schutz fast wehrlos den Mittelalter-Kriegern gegenüber.

Nur wenn Ghani und Abdullah ernsthaft zusammenarbeiten und eine gemeinsame Haltung bei den kommenden „Friedensgesprächen“ mit den Taliban einnehmen, haben sie noch eine kleine Chance, nicht alle Errungenschaften der letzten Jahre zu verspielen. Ansonsten gehört ihre Regierung der Katz’.

Alexander.Weber@ovb.net

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