Die Leisen wurden nicht überhört

Bayerns Corona-Lockerungen. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Die lauten Rufe nach Lockerung dürfen über eines nicht hinwegtäuschen: Die stille Mehrheit in unserem Land ist vorsichtig. Verkriecht sich nicht hinterm Sofa aus Corona-Angst, aber überlegt genau, wen man wo trifft und welche Risiken man eingeht. Genau diese große Gruppe trägt mit Heim-Arbeit und -Unterricht seit März auch einen großen Teil der Last. In der öffentlichen Debatte werden die Leisen gern überhört – bei den Beschlüssen aber zum Glück nicht vergessen. Bayerns jüngste Corona-Lockerungen wirken ausgewogen und kommen nicht nur denen entgegen, die vorher am lautesten ihre (teils ja berechtigten) Verbandsinteressen eingefordert haben.

Das formale Ende des Katastrophenfalls und die nun eingeleiteten Lockerungen bedeuten auch: Die Verantwortung wandert ein Stück weiter – vom zuletzt arg allmächtigen Staat hin zu den Bürgern. Das ist die richtige Richtung in einer Demokratie mit aufgeklärter Gesellschaft. Es birgt aber auch ein Restrisiko: Denn bei diesem Virus genügt eine kleine unvorsichtige Gruppe, um eine vernünftige Mehrheit in Gefahr zu bringen – wirtschaftlich durch erzwungene neue Shutdowns, gesundheitlich sowieso. Corona ist mehr denn je ein Charaktertest.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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