Lehrerbewertung per App Auf zum fröhlichen Denunzieren

Lehrerbewertung per App. Auf zum fröhlichen Denunzieren .

DIRK WALTER

Der Pranger aus dem Mittelalter war eine fiese Folter. Man gurtete missliebige Personen, vorzugsweise angebliche Hexen, an Schandpfähle auf dem Marktplatz und schmähte oder bespuckte sie. Der Pranger heutiger Tage ist subtiler und tarnt sich mitunter als Start-up-Unternehmen: So wie das neue Geschäftsmodell, das ein smarter 17-Jähriger aus Österreich entdeckt hat. Eine App, mit der man Lehrer und Schulen via Smartphone bewerten kann. Vorgeblich Pünktlichkeit, Unterrichtsqualität, Fairness, unterschwellig auch Strenge, Disziplin oder schlechte Noten. Auf zum fröhlichen Lehrer-Bashing. Diese Neuheit braucht kein Mensch.

Ein Kardinalfehler der Erfindung ist die Anonymität, hinter der sich die Schüler verstecken können und die Missbrauch Tür und Tor öffnet. Man kann nur jedem Schüler raten, nicht nur versteckt rumzumaulen, wenn er sich schlecht behandelt fühlt. Sondern sich ein Herz zu fassen und den Lehrer anzusprechen. So viel Mut darf man, muss man von Schülern und auch ihren Eltern erwarten. Die gute Nachricht ist: Die neue App wird scheitern, wie auch ihre Vorgängerprojekte, etwa der vor Jahren mit viel Tamtam gestartete Lehrer-Pranger spickmich.de, der 2010 sogar ein Fall für das Bundesverfassungsgericht war. Inzwischen ist das Portal abgeschaltet – mangels Beteiligung. So schlaue Schüler haben wir.

Dirk.Walter@ovb.net

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