Lehren für die zweite Welle

Corona und der Wohlstand. MARTIN PREM.

Die Verkäufe von BMW sind in Europa im zweiten Quartal 2020 um fast die Hälfte des Vorjahresniveaus eingebrochen. EU und OECD müssen ihre dunkelgrauen Krisenprognosen weiter herunterschrauben. Wer die Hoffnung hatte, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht gar so furchtbar ausfallen würden, lag falsch. Es kam nicht besser, sondern schlimmer. Und besonders bitter ist die noch unausgesprochene Nachricht, die man aus den Zahlen aber herauslesen sollte: Eine zweite Welle mit zweitem Lockdown würde Teile Europas auf das Niveau von Entwicklungsländern zurückwerfen.

Man kann aber auch etwas Positives sehen: Länder mit vergleichsweise milden Beschränkungen – man kann hier Taiwan nennen, Island, aber durchaus auch Deutschland – kamen nicht nur ökonomisch besser durch die Krise. Auch die Infektionszahlen haben sich günstiger entwickelt als dort, wo schon unerlaubte Spaziergänge mit drakonischen Strafen geahndet wurden. Aber auch weit besser als die USA oder Brasilien, deren irrlichternde Präsidenten die eigenen Seuchenexperten konterkarierten.

Es gibt einen Mittelweg zwischen Leichtsinn und gnadenloser Strenge: Augenmaß und das Vertrauen auf verantwortliches Handeln einer überwältigenden Mehrheit mündiger Bürger. Bei einer zweiten Welle sollte ein Vorgehen mit raschen, aber regional begrenzten Abwehrmaßnahmen der beste Weg sein, auf dem Seuchenabwehr und Wohlstand in Einklang zu bringen sind.

Martin.Prem@ovb.net

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