Leben retten und Spätabbrüche verhindern BARBARA NAZAREWSKA

Leben retten und Spätabbrüche verhindern. BARBARA NAZAREWSKA.

Ein Bluttest auf Trisomie 21, das Down-Syndrom, wird „in begründeten Einzelfällen“ zur Kassenleistung in der Schwangerschaftsvorsorge. Diese Entscheidung ist richtig! Denn der Test kann gefährliche Fruchtwasseruntersuchungen, die übrigens längst Kassenleistung sind, vermeiden. Sie erhöhen das Risiko von Fehlgeburten – und gefährden damit das Leben des ungeborenen Kindes. Kann man das allen Ernstes befürworten?

Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche durch den Test steigt; auf Selbstzahlerbasis gibt es ihn schon seit Jahren. Was aber klar zutrifft: Er kann Spätabtreibungen verhindern.

Zum Verständnis: Die meisten „Risikoschwangeren“, also Frauen ab 35, durchlaufen die pränatale Diagnostik. Das mag man verurteilen, es bleibt aber Tatsache. Konkret heißt das: Zeigt sich im Ultraschall eine Auffälligkeit, wird in der Regel eine Fruchtwasseruntersuchung empfohlen – und zwar zwischen der 14. und 19. Schwangerschaftswoche. Rund zwei Wochen später liegt ein Ergebnis vor. Wer sich dann für einen Abbruch entscheidet, macht dies unter Umständen in der letzten Phase der Schwangerschaft. Eine Spätabtreibung also, die sich durch den Bluttest vermeiden ließe – er kann nämlich früher ein Ergebnis liefern.

Die Entscheidung gegen das eigene Kind ist eine höchst individuelle – und die schwerste überhaupt. Keine Mutter, kein Vater trifft sie leichtfertig. Die Eltern dafür pauschal zu verurteilen, steht keinem zu. Wer ihnen auch noch Steine in den Weg legt, verhält sich nur schäbig.

Barbara.Nazarewska@ovb.net

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