Kurzarbeit Hilfreich, aber kein Allheilmittel MARTIN PREM

Kurzarbeit. Hilfreich, aber kein Allheilmittel .

MARTIN PREM

Täglich melden nun mehr Unternehmen Kurzarbeit an. Und tatsächlich hat die Politik durch jüngste Erleichterungen dieses wichtige Instrument so attraktiv gemacht, dass es fast schon sträflicher Leichtsinn wäre, es bei Bedarf in der Krise nicht zu nutzen.

Es ist keine Frage, dass die deutsche Industrie in der Finanzkrise 2007 bis 2009 dank Kurzarbeit besser über die Runden kam als andere. Sie konnte durchstarten. Fast überall sonst in der Welt waren in der Flaute bewährte Stammbelegschaften auf die Straße gesetzt worden, die später fehlten. Und man muss auch den Blick in die USA werfen, wo jetzt Millionen mit dem Job auch den betrieblichen Krankenversicherungsschutz verlieren – der noch nie so wichtig war wie gerade jetzt.

Kurzarbeit ist aber kein Allheilmittel. Die Rechnung kann nur dann aufgehen, wenn nach der Krise auch die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen einen erneuten Aufschwung befeuert. Das ist möglich, aber nicht sicher. Denn viele Unternehmen werden diesmal trotz Kurzarbeit nicht oder nur mit Staatshilfe (und wahrscheinlich unter Staatsaufsicht) überleben. Und viele Arbeitnehmer könnten dann aus Angst um die wirtschaftliche Zukunft eher sparen als konsumieren. Niemand kann heute wissen, ob die Rezepte von 2009 auch diesmal funktionieren. Für den Fall, dass dies nicht klappt, sollte man bereits jetzt über einen Plan B nachdenken.

Martin.Prem@ovb.net

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