Meinung

Österreichs Ski-Regeln: Kanzler Kurz kämpft um neues Vertrauen

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  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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Hunderte Corona-Tote am Tag, tausende Existenzen wegen des Lockdowns auf der Kippe: Darf man da das Aus für die Skisaison bejammern? Ja – weil es um mehr geht als um ein bisschen Vergnügen, sondern um einen weiteren wegbrechenden Teil unseres Lebens.

Es geht um Erholung von diesem so extremen Jahr und um einen in der Alpenregion riesigen Wirtschaftsfaktor, an dem zehntausende Arbeitsplätze hängen. Eingedenk dieser Faktoren ist es für Österreichs Kanzler Sebastian Kurz besonders bitter, bis in den Januar hinein wohl komplett auf Gäste zu verzichten. Aber er hat Recht mit dieser Entscheidung.

Das Land, das den Takt angibt im Skibetrieb, wird kurzfristig hunderte Millionen Euro Verluste erleiden. Mittelfristig kann Kurz’ Vorgehen aber das ruinierte Vertrauen ins Winterziel Österreich wieder stärken. Das Infektions-Drama von Ischgl mit dutzenden Toten in ganz Europa gründete in der fatalen Fehlentscheidung der regionalen Politik und Touristiker, Kommerz über Schutz zu stellen. An Ischgl wird diese Schmach noch Jahre kleben, zumal Tirol die politische Aufarbeitung bis heute verweigert. Und auch die Bilder vom Saisonstart heuer, dichten Warteschlangen am Skilift, wirkten tief verstörend.

Kanzler Kurz und seine grünen Partner lassen mit ihrer Urlauber-Quarantäne ein Hintertürchen offen – falls die Inzidenz unter 100 sinkt, das ist nicht mal ausgeschlossen. Wichtiger ist aber das Signal: Wir haben verstanden, wir stellen die Gesundheit über den Umsatz. Auf Druck der Nachbarländer, sicherlich. Aber der unpopuläre Beschluss schickt auch die starke politische Botschaft nach Bayern: Lasst uns wieder stärker gemeinsam agieren.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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