Kritik führt zu späten Einsichten

Bayerns Kultur-Programm. MARKUS THIEL.

Kleinlautstärke liegt nicht im Naturell des Ministerpräsidenten. Bei allem so pathetischen wie richtigen Bekenntnis zur Kultur, das Markus Söder gestern ablegte: Sein neues Programm ist vor allem eine Nach-, Ver- und Aufbesserung. Und damit das (nicht ausgesprochene) Eingeständnis, dass manche Hilfsmaßnahme an der Realität vorbeilief – weil man Letztere falsch eingeschätzt hat.

Die um mehr als das Doppelte auf 200 Millionen Euro aufgestockten Finanzhilfen sind ein starker Aufschlag. Eine Art Kultur-Bazooka, die tragischerweise nicht alle retten wird, aber doch so etwas wie ein Skelett der Szene erhalten dürfte. Alles gut demnach? Mitnichten, fehlt Theatern und anderen Anbietern doch noch immer ein Neustart-Leitfaden, mit dem sich planen ließe. Ein Konzept also, das Sport, Kirchen und Einzelhandel längst gewährt wurde. Auch im nebulösen „irgendwann nach Pfingsten“ spiegelt sich wider, welchen Rang Konzerte, Oper, Schauspiel oder Kino bei den politisch Verantwortlichen einnehmen.

Bayerns Kultur-Programm hat eines gezeigt: Kritik kann tatsächlich zu Einsichten führen, kommen sie auch etwas spät. Und gerade weil vieles auf Unkenntnis und Rangeleien zwischen Ministerien zurückzuführen ist, müssen die Kulturschaffenden ihren Kreativitätsdruck erhöhen. Mit noch mehr Vorschlägen und Konzepten. Eine Nachhilfe für die Politik also. Sie wird dringend gebraucht.

Markus.Thiel@ovb.net

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