Kritik an Bayerns Vorpreschen Dieser Flickenteppich rettet Leben

Kritik an Bayerns Vorpreschen. Dieser Flickenteppich rettet Leben .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Es gibt ein F-Wort, das unangemessen ist in dieser Virus-Krise: Als „Flickenteppich“ wird in der Berliner Hauptstadtblase rund um das Kanzleramt geschmäht, dass mehrere Bundesländer schnell und unabgesprochen weitere Maßnahmen zum Eindämmen des Virus verhängt haben. „Flickenteppich“ erzählt von einem zerfetzten, abgenutzten, löchrigen Gebilde. Unsinn!

Unter den Ländern – nur sie haben die verfassungsrechtliche Kompetenz dazu –, machen gerade jene Tempo, die auch durch die Grenzlage zu Tirol, der Schweiz und Ostfrankreich die dramatischste Situation zu bewältigen haben. Schön, dass sich Deutschland allmählich auf ein einheitliches Vorgehen einigt. Taktgeber muss dabei aber die Region mit der größten Not sein, nicht die mit der größten Gelassenheit. Insbesondere NRW-Regent Laschet interpretiert da etwas falsch: Föderalismus heißt nicht, zu warten, bis es der Langsamste kapiert hat. Das ist keine politische Frage, sondern eine mathematische – die von Experten gezeichneten Kurven einer exponentiell wachsenden Infektion zeigen: Jeder einzelne Tag Nichthandeln entscheidet, wie viele tausend Intensivbetten am Höhepunkt der Krise fehlen. Auffällig übrigens, dass das SPD und Grüne in Bayern verstehen, dass auch die SPD-Minister in der GroKo schnell aktiv werden, während ihre Bundesführung zeigefingerwackelnd weitertrödelt.

Die Kanzlerin hat neulich in ihrer Ansprache die richtigen Worte gefunden. Söder allerdings die richtigen Taten. Die Grenze zwischen Tempo und Hast, Wachrütteln und Kriegsrhetorik ist dünn. Auch das ist gefährlich. Tödlich allerdings wäre der Trugschluss, durch Zuwarten rücke eine sanftere Lösung dieser historischen Krise näher.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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