Krisengipfel im Vatikan Aussitzen war gestern CLAUDIA MÖLLERS

Krisengipfel im Vatikan. Aussitzen war gestern .

CLAUDIA MÖLLERS

Es brauchte den Druck von außen, damit die katholische Kirche das Übel des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche überhaupt als Verbrechen erkannte. Bis heute ist Druck von außen erforderlich, damit nicht diejenigen frohlocken, die noch immer glauben, sie könnten das lästige Thema aussitzen.

Es schwärt wie eine eiternde Wunde: Den Missbrauch von Kindern und seine Vertuschung kann man nicht wie eine faulende Extremität abschneiden und hoffen, dass damit der restliche Körper gerettet ist. Als Therapie wirken nur eine gnadenlose Analyse der Krankengeschichte und weitreichende Reformen für die Zukunft, die die Machtfülle und Selbstherrlichkeit der Kleriker – die der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer in bemerkenswerter Weise beklagt hat – beenden.

Papst Franziskus und die Bischöfe ringen in der Synodenaula um Lösungen. Leise Hoffnungszeichen dringen nach außen: Verfahren zur Absetzung von Bischöfen, die im Umgang mit Missbrauchsfällen versagt haben, werden diskutiert; der Vatikan will die Zahl aller Geistlichen veröffentlichen, die wegen Missbrauchs kirchenrechtlich bestraft wurden. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx wirbt für eine authentische, demütige, achtsame Kirche und hofft auf ein gutes Ergebnis des Krisengipfels. Es braucht noch viel Druck bis zur Heilung.

Claudia.Moellers@ovb.net

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