Krise im Nahen Osten Die EU schaut wieder einmal zu

Krise im Nahen Osten. Die EU schaut wieder einmal zu .

MIKE SCHIER

Seit dem Tod von Ayatollah Khomeini im Jahr 1989 dürfte der Iran keine solchen Trauerszenen mehr erlebt haben wie am Wochenende für General Soleimani. Die Bilder zeigen, wie groß die Wut des Regimes, aber auch vieler seiner (keineswegs unkritischen) Bürger über den militärischen Schlag der USA ist. Schon um dem eigenen Volk gegenüber glaubwürdig zu bleiben, wird Teheran zu einem harten Gegenschlag ausholen müssen.

Nein, im Westen muss man den Tod dieses Generals nicht betrauern. Er hat die Hisbollah im Libanon mit aufgebaut, in Syrien den Massenmörder Assad im Amt gehalten, im Irak mit einseitiger Einmischung zugunsten der Schiiten einst dem Islamischen Staat den Boden bereitet. Bedenklich ist eher, dass Donald Trump, der den Schlag angeordnet hatte, noch immer über keinerlei Strategie für die Region verfügt. Erst wollte er die Kriege der USA beenden, jetzt droht er dem Iran mit großen Schlägen. Er wollte die Truppen aus Syrien abziehen, jetzt beorderte er tausende neuer Soldaten in die Region. Gleichzeitig könnte er nun im Irak, der die US-Truppen aus dem Land drängen will, ein wichtiges strategisches Standbein verlieren. Das passt alles nicht zusammen.

Eigentlich können weder Trump noch der wirtschaftlich geschwächte Iran Interesse an einem Krieg haben. Statt Drohungen bräuchte es deshalb entschlossene diplomatische Vorstöße. Doch wer könnte vermitteln? Wieder einmal rächt sich nun die Handlungsunfähigkeit der mit sich selbst beschäftigten EU. Sie schaut hilflos zu.

Mike.Schier@ovb.net

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