Die Krise der Freien Wähler

Aiwanger alleine gegen Söder. MIKE SCHIER.

Von Tag 1 der Bayern-Koalition an diente die FDP den Freien Wählern als mahnendes Beispiel. Bloß nicht von der übermächtigen CSU so plattmachen lassen wie einst die Liberalen, die 2013 äußerst unsanft aus den Chefsesseln der Ministerien in die APO katapultiert wurden. Jetzt könnte genau das drohen: In Rekordzeit sind die Freien Wähler von 11,6 Prozent bei der Landtagswahl auf fünf Prozent in den Umfragen durchgereicht worden.

Schon klar: Umfragen sind nur Momentaufnahmen, erst recht in turbulenten Corona-Zeiten. Doch die Schwäche der Freien Wähler hat durchaus auch strukturelle Gründe. Jetzt rächt sich vor allem die Ministerienwahl der regierungsunerfahrenen Partei. Der eher volkstümliche Hubert Aiwanger hätte sich besser ein großes Ministerium für Heimat, Landwirtschaft und ländlichen Raum geschnitzt, als nach dem Wirtschaftsressort zu greifen. Statt seine große Stärke auszuspielen, nah am Bürger und ihren Alltagsproblemen zu sein, fremdelt er mit Dax-Managern und Start-up-Visionären gleichermaßen. Dass jetzt ausgerechnet die Auszahlung der Wirtschaftshilfen zur größten Corona-Baustelle mutiert, passt ins Bild.

In der Opposition mag Aiwangers Ein-Mann-Show ausgereicht haben. In der Regierung braucht es mehr als die gute Rhetorik eines Einzelnen. Man muss gestalten – und dies dokumentieren. Dies wäre beispielsweise die Aufgabe eines Fraktionschefs oder auch des Umweltministers. Doch wenn jemand grüne Themen setzt, übernimmt das Söder. Gegen dessen Übermacht hat Aiwanger allein keine Chance. Da hilft nur eine Teamleistung.

Mike.Schier@ovb.net

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