Kretschmann und Palmer Ein Feigenblatt für die Grünen

Kretschmann und Palmer. Ein Feigenblatt für die Grünen .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Parteien sind schon lange keine monolithischen Blöcke mehr. Im Idealfall sind sie Sammelbewegungen, die ein breites Spektrum von Wünschen in politische Entscheidungen bündeln. Anders geht’s nicht in einer Gesellschaft aus Einzelinteressen. Nur: Wer auf Stimmenfang jedem nach dem Mund redet, wird zur Freibierpartei.

Mit diesem Dilemma kämpfen auch die Grünen auf ihrem Weg zur Volkspartei. Da kommt Kretschmann, der sympathische Regent aus dem Auto-Ländle, und brummelt gegen den Berliner Verbotspartei-Kurs an: für Fliegen, Fahren und Fleischkonsum in Maßen. Da meldet sich Boris Palmer, der praxiserfahrene Tübinger Rathauschef, und warnt vor der Verharmlosung von Gewalt durch Asylbewerber: Viele, die sich für ach so tolerant hielten, seien auf dem linken Auge blind. Zeitgleich arbeiten sich seine Parteifreunde an Bayerns CSU-Innenminister ab, der unter Berufung auf Statistiken fast genau das gleiche sagte.

Pluralismus in der Partei ist was Schönes. Nur sollte der Wähler schlau genug sein, um zu erkennen, wer am Ende das Sagen hat bei den Grünen. Die Südwest-Pragmatiker, die so vernünftig klingen und ins modern-urbane Lebensgefühl passen, sind für die Bundespartei bisher nur ein Feigenblatt – so wie es früher einzelne Umweltpolitiker für die CSU waren. Den grünen Kurs bestimmen andere im Spannungsfeld zwischen Realos und Fundis. Also: beim Asyl eine klare Linie für mehr Migration, in der Klimapolitik ein beinhartes Programm, das CO2-Verminderung als Ziel allem überordnet. Das kann man unterstützen, sollte es aber vorher schon klar wissen.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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