Kramp-Karrenbauer gibt auf Merkels letztes Opfer GEORG ANASTASIADIS

Kramp-Karrenbauer gibt auf. Merkels letztes Opfer .

GEORG ANASTASIADIS

Annegret Kramp-Karrenbauers Rücktritt ist der Versuch, für sich als Mensch ein kleines Stück Würde zu retten. Diese Würde ist der CDU-Vorsitzenden Stück für Stück genommen worden: Erst lästerten Parteifreunde immer offener über ihre Unfähigkeit. Dann pfiff der Landesverband Thüringen auf das Machtwort der Chefin. Zuletzt riss die Kanzlerin, die Schwäche der Ziehtochter spürend, das Heft des Handelns an sich. Sie forderte die Rückabwicklung der Ministerpräsidentenwahl in Erfurt, sie telefonierte mit dem Linken Bodo Ramelow – gerade so, als wäre sie immer noch Chefin der Partei, die sie schon lange nicht mehr haben will. Das war eine beispiellose Brüskierung ihrer Nachfolgerin, aber es war immerhin ehrlich: Denn Angela Merkel hat, der Ämterteilung zum Trotz, in Wahrheit immer die ganze Macht in der CDU behalten. Ihr Rückzug vom Parteivorsitz war ein Täuschungsmanöver. AKK durfte immer nur die Als-ob-Vorsitzende sein: eine Königin ohne Land, mit Amt, aber ohne Gestaltungs-chance. Jetzt ist sie Merkels letztes Opfer geworden.

Man kann Kramp-Karrenbauer vieles vorwerfen: kommunikatives Unvermögen, fehlendes Format. Aber nicht sie ist es, die die CDU dorthin geführt hat, wo sie nun steht: am Rande des Abgrunds. Sondern Angela Merkel. Sie ist es, die die CDU in 18 Jahren zu einer weiteren sozialdemokratischen Partei umgemodelt hat, die sich mit ihrer unverantwortlichen Tür-auf-Migrationspolitik, dem horrend teuren Energiewende-Experiment und der planwirtschaftlichen Klima-Agenda nur noch in Nuancen von SPD oder Grünen unterscheidet – und sich auch noch wundert, dass sie von links und rechts hergewatscht wird.

Sehnlicher als auf den AKK-Rücktritt warten große Teile der Partei deshalb auf den Abgang der Kanzlerin. Der letzte Rat, den die scheidende Chefin ihrer Partei mit auf den Weg gibt, hat es in sich: Kanzlerschaft, Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz gehören wieder in eine Hand, verlangt Kramp-Karrenbauer. Das zielt auf die Beschleunigung von Merkels quälend langem Abschied. Schließlich kann diese selbst es ja nicht mehr sein, die die drei Funktionen in ihrer Person vereint. Wer immer den Parteivorsitz übernimmt, muss eines vermeiden: neben Merkel herzuwursteln – und dabei zerrieben zu werden wie Kramp-Karrenbauer. Die CDU wäre von Sinnen, würde sie das gescheiterte Experiment Doppelspitze nun in leicht veränderter Form fortsetzen, etwa mit einem Tandem aus Merkel und dem ihr treu ergebenen Armin Laschet.

Deutschlands Christdemokratie droht nach Merkel dasselbe Schicksal, das die andere einst große Volkspartei, die SPD, nach Schröder ereilte: entkernt, zerrissen, dem Untergang entgegentaumelnd. Die CDU muss sich deshalb so schnell wie möglich von ihrer Übermutter lösen und Neuwahlen wagen. Immerhin hat sie mit Friedrich Merz, Jens Spahn und Markus Söder Persönlichkeiten, denen ein Neuaufbruch zuzutrauen ist. Es gibt zumindest eine Chance. Die letzte.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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