Konzerthaus-Debatte Bayern droht eine Blamage MARKUS THIEL

Konzerthaus-Debatte. Bayern droht eine Blamage .

MARKUS THIEL

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, nicht aber über Anstand. Dass Ministerpräsident Markus Söder am Tag des Gedenkkonzerts für Mariss Jansons das geplante Konzerthaus in seiner bisherigen Form infrage stellte, jenes Projekt also, das der Dirigent als seine Lebensaufgabe betrachtet und für das er wie kein anderer gekämpft hat, dies provoziert zwangsläufig eine Debatte über Pietät- und Stillosigkeit.

Dass es in Kreisen der Staatsregierung seit Beginn der Saal-Debatte Bremser, sogar Verhinderer gibt, ist bekannt. Dass die Bedenkenträger nach dem Tod von Jansons Oberwasser bekommen und vielleicht sogar die Oberhand gewinnen, ist allerdings neu. An der Notwendigkeit des Projekts besteht kein Zweifel, das räumt auch Söder ein. Und ebenso wichtig ist es, dass dieses Vorhaben von einer strengen Kostenüberwachung begleitet wird.

Die aktuelle Entwicklung ist allerdings hausgemacht. Ein Bauherr wie der Freistaat, der allein ein Jahrzehnt dafür benötigt, einen Standort zu finden, darf sich nicht wundern, wenn die Sache immer teurer wird. Und beim nun vorgeschlagenen Abspecken des Raumprogramms stellt sich die Frage: Was sind dann eigentlich die dafür erforderlichen teuren Planungen und Gutachten wert? Sollte aus dem Konzerthaus nur noch ein Konzerthäuschen werden, hätte sich Bayern blamiert. Gönnerhafte Seitenhiebe auf die Hamburger und ihre Elbphilharmonie würden sich dann ab sofort verbieten.

Markus.Thiel@ovb.net

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