Konflikt im Asowschen Meer Des Kremls neues Abenteuer

Konflikt im Asowschen Meer. Des Kremls neues Abenteuer .

GEORG ANASTASIADIS

Seit Jahren gleicht Putins Umgang mit der Ukraine einem Katz-und-Maus-Spiel. Jetzt hat die Katze wieder mit der Tatze zugeschlagen – und behauptet, die Maus habe sie vorher angegriffen. So absurd Russlands Unschuldsgetue nach der Attacke im Asowschen Meer ist, so ungeschickt ist die Ausrufung des Kriegsrechts durch das Parlament in Kiew. Dem Kreml wird es nicht schwerfallen, einen Riesenpopanz um die angebliche Bedrohung durch die Ukraine aufzubauen. Und Putin hat mindestens ebenso viel Grund wie sein ukrainischer Gegenspieler Poroschenko, von innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken, besonders von der leidigen Rentendebatte. Da kommt ein kleiner militärischer Zwischenfall gerade recht. Nur noch peinlich war die große Geständnis-Show, zu der die gefangen genommenen ukrainischen Marinesoldaten gestern im russischen Staatsfernsehen vorgeführt wurden. Der Wahrheitssender „Russia Today“ lässt grüßen.

Putin scheint entschlossen, nach der Krim auch noch das Asowsche Meer zu annektieren. Niemand wird ihn davon abhalten können. Die Ukraine bleibt ein staatlicher Krüppel, Putins Krüppel. Moskaus Milizen kontrollieren den Ostteil des Landes, und indem er immer neue Fronten eröffnet, verhindert der Kreml-Chef, dass sich die Dinge für das gepeinigte Bürgerkriegsland irgendwann zum Besseren wenden, dass die Ukraine ein souveräner Staat wird. Es ist das Unglück der Ukrainer, dass sich das Weltinteresse längst anderen Krisenherden zugewandt hat, dem Morden in Syrien, dem amerikanisch-chinesischen Handelsstreit. Des Kremls neues Kriegsabenteuer zeigt, wie voreilig alle Forderungen nach Aufhebung der Sanktionen waren. Dass die Linkspartei ausgerechnet Putins aggressives Auftreten als Beleg für die Richtigkeit ihrer These nimmt, die Sanktionen müssten, da offenkundig unwirksam, abgeschafft werden, ist an Zynismus kaum zu überbieten.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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