Komplett die Kontrolle verloren

Wirecard ist pleite. SEBASTIAN HÖLZLE.

Jahrelang hatte Wirecard-Chef Markus Braun beteuert, mit den Bilanzen seines Unternehmens sei alles in Ordnung. Dabei stand längst der Verdacht im Raum, die Zahlen könnten aufgehübscht sein. Jetzt stellt sich heraus: Sagenhafte 1,9 Milliarden Euro hat es auf den Philippinen offenbar nie gegeben. Die Banken haben Wirecard nun den Geldhahn zugedreht, das einst gefeierte Börsenwunder aus Aschheim bei München ist damit pleite.

Dennoch bleiben mehr Fragen als Antworten. Vor allem die Rolle des zurückgetretenen Chefs Markus Braun bleibt mysteriös. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft. Selbst wenn sich herausstellen sollte, dass Braun mit dem mutmaßlichen Milliardenbetrug nichts zu tun hatte, trägt er die volle Verantwortung für die Pleite. Trotz jahrelanger Vorwürfe der Bilanzmanipulation hat er es offenbar nicht für nötig gehalten, Kontrollmechanismen aufzubauen, die Wirecard ein nachhaltiges Umsatzwachstum garantieren. Der Fall zeigt beispielhaft ein Problem vieler Start-ups: Wächst ein Unternehmen zu schnell, droht ein Kontrollverlust. Passt der Vorstand die Konzernstrukturen nicht an, drohen Teile des Unternehmens ein ruinöses Eigenleben zu entwickeln.

Aber auch die deutsche Finanzaufsicht muss sich die Frage gefallen lassen, warum sie den Milliarden-Skandal in Aschheim jahrelang nicht sehen konnte oder sehen wollte. Den Preis für das Kontrollversagen auf mehreren Ebenen zahlen jetzt die Anleger und die Beschäftigten.

Sebastian.Hoelzle@ovb.net

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