Zur Kommunalwahl Das große Glück der Wahlmöglichkeit

Zur Kommunalwahl. Das große Glück der Wahlmöglichkeit .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Nein, es ist nicht lästig. Es ist ein großes Glück, einen riesigen Wahlzettel auseinanderfalten zu dürfen. Die Wahl zu haben zwischen dutzenden Kandidaten. Ein Listenkreuz zu setzen mit Wucht oder viele Stimmen einzeln zu portionieren und zu verteilen. Diese Kommunalwahl ist mit all ihren Auswahlmöglichkeiten die mit Abstand demokratischste Abstimmung bundesweit. Und das ist gut so, denn keine Ebene, und fährt sie auch noch so schwer gepanzerte Dienstwagen, ist so prägend wie ein Lokalpolitiker für seine Region. Wer in seinem Bürgermeister den Grüßgott-Redner für den Hasenzüchterverein sieht, hat unseren Staatsaufbau nicht verstanden.

Mit scharfem Blick war das zu Beginn der Coronakrise genau zu erkennen. Ob ein Ort entschlossen erste Maßnahmen zum Schutz der Bürger ergriff, Großveranstaltungen absagte, eine Schule schloss, lag in der Hoheit der Landkreise und kreisfreien Städte. Also: am Mut und Durchblick eines Landrats, eines Oberbürgermeisters. Jeder Amtsinhaber und jeder Kandidat haben Respekt verdient, vor allem in Zeiten einer angreifbaren Demokratie – aber auch nicht jeder hat diese Aufgabe im Kreuz.

In diesen Tagen wird Politik plötzlich sehr grundlegend und erfahrbar; Menschen reden wieder über Angst, das Leben zieht sich auf den Nahbereich zurück. Gerade jetzt ist die Kommunalwahl kein Anhängsel, sondern die zentrale Entscheidung, wer uns jetzt durch diese Krise und vor allem sechs Jahre lang durch die Zeit danach führt. Wer wählen darf, wer wählen kann, soll wählen gehen.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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