Kommt jetzt Merz? Leben in Zeiten des Virus GEORG ANASTASIADIS

Kommt jetzt Merz? Leben in Zeiten des Virus .

GEORG ANASTASIADIS

Deutschland steht am Beginn einer Epidemie. Gesundheitsminister Spahn hat lange, vielleicht zu lange mit diesem Eingeständnis gezögert. Eine vorsorgliche Absage der Karnevals-Veranstaltungen, bei denen viele Menschen auf engem Raum zusammenkamen, wäre für die Eindämmung des Coronavirus sicher hilfreich gewesen; schließlich war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass sich in Norditalien ein gefährlicher, in den Rest Europas hineinstreuender Ansteckungsherd gebildet hatte.

Jetzt ist es für eine Unterbrechung der Infektionsketten vermutlich zu spät, sagen Virologen. Das ist kein Grund zur Panik, wohl aber zu erhöhter Achtsamkeit – gerade auch in München, der „nördlichsten Stadt Italiens“ mit ihren vielfältigen Verbindungen in die hart getroffenen Regionen Venetien und Lombardei. Wichtig ist, die Zahl der Infektionen bis in den Frühling hinein gering zu halten. Dazu kann jeder von uns mit seinem Verhalten beitragen.

Das Corona-Virus ist, was Engländer einen „game changer“ nennen, ein Ereignis, das, im Kleinen wie im Großen, die Rahmenbedingungen unseres Handelns verändert. Das geht damit los, dass alte, gesundheitlich angeschlagene Menschen vielleicht nur noch einmal die Woche einkaufen gehen, um sich nicht unnötig oft dem Risiko einer Ansteckung auszusetzen. Es geht damit weiter, dass Betriebe aus der Unterbrechung ihrer Lieferketten lernen und wieder mehr Wert auf nachhaltige Produktion legen: Das Virus könnte einen Prozess der De-Globalisierung einleiten, der auch aus anderen Gründen wünschenswert ist; etwa, um die Abhängigkeit von China mit seinen Weltherrschaftsambitionen zu reduzieren. Gut möglich ist übrigens auch, dass die CDU, wenn sie im April einen neuen Chef wählt, auf einen Mann setzt, der Ahnung davon hat, wie man ein Land aus einer Konjunkturkrise herausführt.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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